Biodiversity-Check in der Praxis: Erfahrungen bei Marc O‘Polo

Bild des Autors erstellt am 16.12.2025
von Global Nature Fund

Michaela Weber ist Group Managerin Environmental Management & Product Compliance beim internationalen Modelabel Marc O’Polo. Im Jahr 2024 hat das Unternehmen, das für zeitgemäße Premium Modern Casual Wear steht, mit Unterstützung des Global Nature Fund (GNF) einen Biodiversity-Check durchgeführt, um die Auswirkungen und Abhängigkeiten entlang der eigenen Wertschöpfungskette besser zu verstehen.

Was hat Sie dazu bewogen, einen Biodiversity-Check durchzuführen und was waren Ihre Erwartungen dabei?

Den Biodiversity-Check haben wir durchgeführt, um erste wichtige Handlungsfelder und Einflussbereiche zu analysieren. Unser Ziel war es, einen Überblick über direkte sowie indirekte Wirkungen entlang unserer Wertschöpfungskette auf die biologische Vielfalt zu erhalten und Risiken, die sich daraus für uns als Unternehmen ergeben, zu identifizieren.

Denn als Teil der Textil- und Bekleidungsindustrie tragen wir durch den hohen Ressourcenverbrauch, den Einsatz schädlicher Chemikalien oder den Ausstoß von Treibhausgasemissionen aus energieintensiven Produktionsschritten zum Klimawandel, der weltweiten Umweltverschmutzung und zum Verlust biologischer Vielfalt bei. Gleichzeitig sind wir von der Natur, ihren Ressourcen und Ökodienstleistungen abhängig, woraus sich Risiken für uns ergeben. Die Erfahrungen aus dem Biodiversitätscheck haben mir einmal mehr aufgezeigt, wie wichtig ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur wirklich ist.

Welche Erkenntnisse aus dem Check haben Sie überrascht?

Die Zusammenarbeit mit dem GNF hat mir gezeigt, dass Nachhaltigkeitsstrategien und -entscheidungen einen ganzheitlichen Ansatz erfordern. Dabei ist es wesentlich, die Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen Umweltbereichen zu berücksichtigen, da diese eng miteinander verbunden sind. Da Biodiversität ein komplexes Thema ist, war es für mich besonders wichtig, zu verstehen, wie man es als Unternehmen strategisch und operativ angehen kann.

Wie geht es in Ihrem Unternehmen nun mit den aus dem Check gewonnen Erkenntnissen weiter?

Im Jahr 2024 haben wir unsere aktuelle Nachhaltigkeitsstrategie IT’S ON US 2030+ entwickelt, in der das Thema Biodiversität strategisch verankert ist. Unser Ansatz konzentriert sich darauf, die Ursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt zu adressieren, um Synergien mit unserer bestehenden Umweltstrategie zu schaffen. Durch den Biodiversitätscheck konnten wir bestehende Lücken identifizieren, die wir nun in unserer Strategie schließen werden.

Darüber hinaus haben wir im letzten Jahr einen Supplier Summit veranstaltet, in dem wir unsere Lieferanten zu Biodiversität informiert und Bewusstsein geschaffen haben. Gemeinsam mit ihnen besuchten wir ein Baumwollfeld, auf dem regenerativ-kontrolliert ökologischer Anbau praktiziert wird. Das ist für uns der Gold-Standard unter den Anbau-Methoden, den wir in Zukunft weiterverfolgen werden.

Geerntete Baumwollpflanze: Nachhaltiger Anbau ist ein wichtiger Hebel für mehr Biodiversität in der Textilindustrie. | Foto von Nika Benedictova | Unsplash

Was würden Sie anderen Unternehmen raten, die einen Biodiversity-Check in Erwägung ziehen?

Ich empfehle Unternehmen zunächst eine umfassende Bestandsaufnahme ihrer aktuellen Aktivitäten durchzuführen. Dies sollte Aspekte wie Lieferketten, Prozesse, Unternehmensstandorte sowie genutzte Rohstoffe umfassen, um deren Auswirkungen, Risiken und Abhängigkeiten zu ermitteln. Aufgrund des umfangreichen Charakters dieses Prozesses ist es ratsam, externe Experten, wie beispielsweise den GNF, hinzuzuziehen, die das Unternehmen begleiten und eine solide Bewertung sicherstellen. Abschließend sollten die gewonnenen Erkenntnisse in die langfristige Unternehmensstrategie integriert werden, um nachhaltige positive Effekte für die Umwelt und die biologische Vielfalt zu erzielen.

Interviewpartnerin:

Michaela Weber

Group Managerin Environmental Management & Product Compliance bei Marc O’Polo

Hofgartenstraße 1
83071 Stephanskirchen
Deutschland

Michaela Weber ist Group Managerin Environmental Management & Product Compliance bei beim internationalen Modelabel Marc O’Polo

Biodiversity-Checks im Projekt UBi

Der im Interview beschriebene Biodiversity-Check ist ein Beispiel dafür, wie Unternehmen systematisch erste Wirkungen, Abhängigkeiten und Risiken in Bezug auf biologische Vielfalt identifizieren können. Im Projekt Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi unterstützen wir Unternehmen dabei, mit praxisnahen Biodiversity-Checks konkrete Handlungsfelder zu erkennen und den Einstieg in ein betriebliches Biodiversitätsmanagement zu finden.

Foto von Felipe Galvan | Unsplash

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