Warum der Plfanzwettbewerb zeigt, dass Biodiversität manchmal mit einer Schaufel beginnt
Manchmal beginnt Biodiversität mit einer kleinen Entscheidung: den Rasen mähen oder eine Ecke einfach wachsen lassen. Ein paar heimische Wildblumen, ein Stück Totholz oder ein kleines Sandbeet für Wildbienen. Was zunächst unscheinbar wirkt, kann schnell zu etwas Größerem werden. Plötzlich summt es im Garten. Und manchmal wird aus diesem Summen sogar ein Wettbewerb. Genau darum geht es beim Pflanzwettbewerb von „Deutschland summt!”: Menschen in ganz Deutschland verwandeln Gärten, Balkone, Schulhöfe oder Firmengelände in Lebensräume für Wildbienen und andere Insekten – und zeigen, wie aus Grau wieder Grün wird.
Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie kraftvoll: Jede Fläche zählt.
Ein Wettbewerb für alle, die Lebensräume schaffen
Der Pflanzwettbewerb wurde von der Stiftung für Mensch und Umwelt im Rahmen der Initiative „Deutschland summt!“ ins Leben gerufen. Ziel ist es, möglichst viele Menschen dafür zu gewinnen, selbst aktiv zu werden und Flächen insektenfreundlich zu gestalten. Denn Wildbienen und andere Bestäuber sind entscheidend für funktionierende Ökosysteme – und ihr Rückgang ist eine der sichtbarsten Folgen des Biodiversitätsverlusts.
Statt ausschließlich über Probleme zu sprechen, setzt der Wettbewerb auf etwas anderes: positive Energie und konkrete Handlungsmöglichkeiten. Menschen sollen erleben, dass sie selbst etwas verändern können. Manchmal schon auf wenigen Quadratmetern.
Das Konzept funktioniert. In den vergangenen Jahren sind durch den Wettbewerb tausende naturnahe Flächen entstanden – von kleinen Balkonen bis zu großen Grünanlagen. Zusammen umfassen sie inzwischen eine Fläche von mehreren hundert Fußballfeldern. 2026 ist dabei ein besonderes Jahr: Der Wettbewerb feiert sein zehnjähriges Jubiläum und blickt auf eine Dekade voller Engagement für blühende Lebensräume zurück.

So funktioniert der Pflanzwettbewerb
Das Prinzip ist einfach: Wer eine Fläche naturnah gestaltet, kann diese beim Wettbewerb einreichen. Teilnehmen können Einzelpersonen, Initiativen, Schulen, Kommunen oder Unternehmen. Entscheidend ist nicht die Größe der Fläche, sondern die Idee dahinter: heimische Pflanzen, Strukturvielfalt und Lebensräume für Insekten.
Die Teilnahme läuft in mehreren Schritten:
- Naturnahe Fläche anlegen oder umgestalten, zum Beispiel mit heimischen Wildblumen, Stauden, Sträuchern oder kleinen Strukturelementen wie Totholz oder Sandflächen.
- Projekt dokumentieren: Fotos, kurze Beschreibungen und Informationen zur Fläche werden über das Wettbewerbsportal eingereicht.
- Einreichen und sichtbar machen: Viele Teilnehmende nutzen die Gelegenheit, ihre Projekte auch lokal bekannt zu machen – etwa durch Social Media, Presseberichte oder Tage der offenen Gartentür.
- Anschließend bewertet eine Jury die Beiträge. Neben der ökologischen Qualität spielen auch Aspekte wie Kreativität, Engagement oder die Einbindung der Öffentlichkeit eine Rolle.
Der Wettbewerb umfasst mehrere Kategorien, darunter Privatgärten, Schul- und Kitagärten, Vereinsflächen, kommunale Flächen und Firmengärten. Gerade diese Vielfalt macht den Wettbewerb so besonders: Vom Kindergarten bis zum Unternehmen kann jede Organisation zeigen, wie Biodiversität konkret umgesetzt werden kann.
Beiträge können vom 1. April bis zum 31. Juli eingereicht werden.
Auch Unternehmen können summen
Beim vergangenen Wettbewerb wurden insgesamt 345 Beiträge eingereicht, darunter auch Projekte von Unternehmen. Das zeigt: Biodiversität wird zunehmend Teil unternehmerischer Verantwortung. Firmengelände bieten oft überraschend viel Potenzial, sei es bei Randstreifen, Parkflächen, Dachgärten oder Innenhöfen. Flächen, die bislang vor allem funktional gestaltet sind, können mit vergleichsweise geringem Aufwand zu wertvollen Lebensräumen werden.
Eine naturnahe Gestaltung kann dabei mehrere Vorteile verbinden:
- neue Lebensräume für Wildbienen, Schmetterlinge und andere Arten schaffen
- das Mikroklima auf dem Gelände verbessern
- attraktive Aufenthaltsorte für Mitarbeitende bieten
- und das Nachhaltigkeitsengagement eines Unternehmens sichtbar machen
Kurz gesagt: Ein naturnaher Firmengarten ist mehr als nur Grün – er ist ein Zeichen für Verantwortung.
Während beim Pflanzwettbewerb von „Deutschland summt!“ bereits neue Blühflächen entstehen, passiert auch an anderer Stelle etwas: Aktuell werden die Bewerbungen für den „Biodiversitätspreis der Wirtschaft“ des UBi-Wettbewerbs gesichtet. In diesem Jahr stehen dabei Firmengelände und Lieferketten im Fokus. Die Preisverleihung findet am 23. April in Berlin statt.
Bis dahin zeigt der Pflanzwettbewerb sehr praktisch, wie Biodiversität vor der eigenen Tür beginnen kann – auch auf Unternehmensflächen. Denn manchmal braucht es für den ersten Schritt nicht viel: eine freie Ecke ein paar heimische Pflanzen und die Entscheidung, Natur wieder Raum zu geben.
Titelbild: © Daimler Truck AG Werk Gaggenau