Seit Ende 2024 entstehen im Rahmen von „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ bundesweit regionale Biodiversitätsbündnisse. Initiiert und begleitet werden sie von der DIHK Service GmbH gemeinsam mit den Industrie- und Handelskammern vor Ort. Ihr Ziel: Unternehmen in den Regionen für Biodiversität zu sensibilisieren, Wissen zu bündeln und konkrete Maßnahmen in der betrieblichen Praxis anstoßen.
Wie dynamisch sich das Netzwerk entwickelt, zeigt der Blich in die Regionen. In Thüringen wurde am 11. Mai 2026 das jüngste Bündnis gegründet – zugleich das zwölfte bundesweit. Das Netzwerk startet mit 27 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, darunter Gesundheit, Bau, Finanzen, oder Stahl- und Nahrungsmittelindustrie. Die Gründungsurkunden wurden vom Thüringer Umweltminister Tilo Kummer überreicht.
„Biologische Vielfalt ist ein zentrales Gut für Thüringen – sie sichert nicht nur Artenreichtum, sondern auch die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Dieses Bündnis zeigt, dass wirtschaftliches Handeln und Artenschutz Hand in Hand gehen können. Besonders wertvoll ist: Das Bündnis kommt aus der Wirtschaft selbst, ist praxisnah und im Austausch mit den Betrieben.“, so Tilo Kummer.

Teilnehmende der Bündnisgründung mit ihren Urkunden | © NAT
Gemeinsam starten: Was Unternehmen in den Regionen bewegt
Wenn Unternehmen zu einer Bündnisgründung oder einem ersten Informationsnachmittag zusammenkommen, zeigt sich schnell ein gemeinsames Bild: Viele stehen noch am Anfang, einige haben bereits erste Erfahrungen gesammelt – und alle profitieren vom Austausch.
So auch beim Werkstattgespräch am 21. April 2026 in Steinfeld bei Oldenburg. Eingeladen hatte die Runden Group, die ein Biodiversitätsbündnis auch in ihrer Region etablieren möchte. Das Interesse war groß, und von Anfang an war spürbar, dass es den teilnehmenden Unternehmen nicht um Debatten, sondern um konkrete Unterstützung geht.
„Viele Nachhaltigkeitsnetzwerke bewegen sich auf einer eher abstrakten Ebene. Das regionale Biodiversitätsbündnis bietet deutlich konkretere Hilfestellungen und bringt uns ins praktische Tun. Das gefällt uns sehr.“, so das Fazit einer Unternehmerin vor Ort.
Das UBi-Team stellte das Bündniskonzept vor. Anschließend erarbeiteten die teilnehmenden Unternehmen in einem Workshop, wie sie sich die Zusammenarbeit in einem solchen Netzwerk konkret vorstellen: Welche Themen sind in der Region besonders relevant? Welche Formate helfen weiter? Und wie kann aus Austausch tatsächliche Umsetzung entstehen? Einen Einblick in das Werkstattgespräch gibt es in diesem Video.
Vom Impuls zur gemeinsamen Arbeit
Viele Biodiversitätsbündnisse entstehen aus solchen Werkstattgesprächen. Unternehmen loten gemeinsam aus, was sie brauchen: Austausch auf Augenhöhe, Orientierung im Thema und konkrete nächste Schritte. Die Formate reichen von Workshops und Webinaren über Netzwerktreffen bis hin zur gezielten Vernetzung von Unternehmen, wenn konkrete Fragestellungen auftauchen.
Charakteristisch für die Biodiversitätsbündnisse ist, dass die Unternehmen selbst im Mittelpunkt stehen. Sie bringen ihre Perspektiven ein, formulieren ihre Herausforderungen und setzen die Themen, die sie bewegen.
„Die Bündnisse bieten den Raum für Fragen aus der Praxis – und die Antworten kommen aus den Unternehmen selbst oder durch Expertise, die wir ins Netzwerk holen“, erklärt Eva Baumgärtner vom UBi-Team der DIHK Service GmbH.
Wie das konkret wirkt, zeigt ein Beispiel aus Sachsen: Dort entstand das Biodiversitätsbündnis am 27. Oktober 2025 unter dem Dach der Umwelt- und Klimaallianz. Bereits kurz nach der Gründung nutzte ein Unternehmen das Netzwerk als Anlaufstelle für eine konkrete Fragestellung: Worauf kommt es bei der Planung einer Dachbegrünung an – und mit welcher Kühlleistung ist zu rechnen?
Das UBi-Team griff die Frage auf und machte sie für alle Bündnisse nutzbar. In einem Webinar für alle Bündnismitglieder erläuterte ein Experte die wichtigsten Schritte und Anforderungen bei der Umsetzung von Dachbegrünungen. Ergänzt wurde das Angebot durch die Einordnung einer Fördermittelexpertin.
So entsteht aus einem konkreten Bedarf ein Mehrwert für viele: durch gemeinsamen Austausch, gebündelte Expertise und praxisnahen Wissenstransfer innerhalb der Netzwerke.
Arbeiten, diskutieren, voneinander lernen
In vielen Regionen entsteht aus dieser Arbeitsweise eine spürbare Dynamik. Unternehmen berichten von ersten Maßnahmen, andere knüpfen daran an. Gute Beispiele machen die Runde, Kontakte entstehen über Branchen hinweg. Biodiversität wird so vom Randthema zum festen Bestandteil unternehmerischer Gespräche.
Das zeigte auch das zweite Jubiläum des ersten regionalen Bündnisses, das 2024 in Berlin gestartet ist. Am 29. April 2026 kamen über 150 Teilnehmende in die Berliner Malzfabrik, um auf zwei Jahre Bündnisarbeit zurückzublicken und von umgesetzten Projekten zu erfahren. Aus 16 Unternehmen, die freiwillig und praxisnah gestartet sind, sind inzwischen 41 geworden.
Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin, betonte dabei, dass Biodiversität nicht im Gegensatz zur Wirtschaft steht, sondern Teil einer vorausschauenden Unternehmens- und Standortstrategie ist. Biodiversität entsteht nicht alleine durch Programme oder Regulierung auf dem Papier. Sie entsteht dort, wo Unternehmen Entscheidungen treffen – auf ihren Flächen, in ihren Lieferketten, in ihren Prozessen und im Austausch mit anderen.

Impressionen vom zweiten Geburtstag des Berliner Biodiversitätsbündnisses. | © Robert Recker
Regionale Vielfalt, gemeinsames Ziel
Ob Thüringen, Oldenburg, Sachsen oder Berlin— die Unternehmen verbinden ähnliche Fragen: Wie lassen sich Firmengelände naturnaher gestalten? Welche Maßnahmen passen zur eigenen Branche? Welche Unterstützung gibt es? Und wie kann Biodiversität langfristig in betriebliches Handeln integriert werden?
Die Biodiversitätsbündnisse schaffen dafür Räume: regional verankert, praxisnah und getragen vom Austausch zwischen Unternehmen, Kammern und Fachleuten. Schritt für Schritt entsteht so ein bundesweites Netzwerk, das biologische Vielfalt dort stärkt, wo Entscheidungen getroffen werden.
Am 1. September 2026 soll in Oldenburg das 13. regionale Bündnis für Biodiversität gegründet werden.

Titelbild: © Robert Recker