Auf der nationalen Jahreskonferenz zu Wirtschaft und Biodiversität diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Naturschutz in Berlin, wie Unternehmen Biodiversität in Geschäftsmodelle, Wertschöpfung und Kommunikation integrieren können.
Berlin. Biodiversität ist für Unternehmen kein Randthema mehr, sondern betrifft zentrale Fragen von Zukunftsfähigkeit, Wertschöpfung, Risiko und Reputation. Das machte das Dialogforum 2026 von „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ im Allianz Forum Berlin deutlich. Rund 250 Teilnehmende aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Finanzwesen und Naturschutz kamen am 17. Juni 2026 zusammen, um zu diskutieren, wie sich Biodiversität konkret in Unternehmensstrategien verankern lässt. Die Veranstaltung fand im Rahmen des im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom BfN mit Mitteln des BMUKN geförderten Projektes „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ statt.
Biodiversität als Grundlage wirtschaftlicher Zukunftsfähigkeit
Unter dem Titel „Zukunft sichern – Biodiversität in Unternehmensstrategien“ standen am Vormittag die politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt. Ein Kurzimpuls zum aktuellen Business and Biodiversity Assessment des Weltbiodiversitätsrats IPBES ordnete ein, welche Erwartungen und Handlungsfelder sich aus wissenschaftlicher Perspektive für Unternehmen ergeben. In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass Unternehmen auf funktionierende Ökosysteme angewiesen sind und zugleich über ihre Geschäftsmodelle, Lieferketten, Produkte und Investitionsentscheidungen erheblichen Einfluss auf die biologische Vielfalt haben.
„Für eine zukunftsfähige und auf Dauer krisenfeste Wirtschaft wird biologische Vielfalt bei unternehmerischen Entscheidungen immer wichtiger. Investitionen in den Schutz und die Wiederherstellung der Natur sind aktive Risikovorsorge und bieten Chancen für die Wirtschaft. Ermutigende Praxisbeispiele konnte ich zuletzt beim diesjährigen UBi-Wettbewerb auszeichnen“, sagte Oliver Conz, Leiter der Abteilung „Naturschutz, nachhaltige Naturnutzung und natürlicher Klimaschutz“ im Bundesumweltministerium.
Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, die wissenschaftliche Geschäftsführerin des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, betonte die Bedeutung der Wirtschaft als Partnerin für den Schutz der biologischen Vielfalt: „Unternehmerinnen und Unternehmer sind klug. Sie denken in die Zukunft. Sie wissen, dass sie in irgendeiner Form von der Natur und den Leistungen der Ökosysteme abhängen. Die Wirtschaft ist für mich deshalb derzeit der beste Koalitionspartner, um die biologische Vielfalt und die Umwelt zu verbessern – gerade in Zeiten geopolitischer und wirtschaftlicher Krisen.“
Auch aus Unternehmensperspektive wurde deutlich, dass Biodiversität eng mit Produktgestaltung, Wertschöpfung und Kreislaufwirtschaft verbunden ist. Lars Baumgürtel, geschäftsführender Gesellschafter der ZINQ GmbH & Co. KG, sagte: „Produkte legen die Auswirkungen von wirtschaftlichem Handeln auf die Biodiversität fest. Der Lebenszyklus eines Produkts umfasst die gesamten Umweltauswirkungen: von der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung über die Nutzung bis hin zum Produktlebensende. Alle diese Lebenszyklusphasen haben unmittelbare Auswirkungen auf die Biosphäre und die Biodiversität.“

Das Dialogforum von „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ brachte Teilnehmende aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Naturschutz im Allianz Forum Berlin zusammen. | © Tom Maelsa
Von der Strategie in die Umsetzung
Auch das diesjährige UBi-Dialogforum setzte bewusst auf Austausch und Beteiligung. In Fishbowl, Reflexionsformaten und Fachforen brachten die Teilnehmenden eigene Perspektiven, Fragen und Erfahrungen ein. Ein Praxisimpuls zu UBi zeigte zudem, wie das Projekt in den vergangenen Jahren Unternehmen in Deutschland unterstützt, Wissen gebündelt und den Dialog zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Naturschutz und Politik gestärkt hat.
Am Nachmittag vertieften drei Fachforen zentrale Handlungsfelder für Unternehmen: glaubwürdige Kommunikation im Spannungsfeld von Biodiversität, Verbraucherschutz und Reputation, Standards und Rahmenwerke zur Integration von Biodiversität in Unternehmensprozesse sowie Vernetzung und Bündnisse als Hebel für wirksamen Biodiversitätsschutz.
Im Fachforum Kommunikation wurde deutlich, dass Biodiversitätskommunikation nur dann glaubwürdig ist, wenn sie auf tatsächlichem unternehmerischem Handeln beruht. Timothy Glaz, Leiter Corporate Affairs bei Werner & Mertz, formulierte: „Eine glaubwürdige Unternehmenskommunikation beginnt dort, wo Nachhaltigkeit ein ganzheitliches Element des unternehmerischen Handelns ist. Das unternehmerische Engagement für Biodiversität wird erst dann glaubwürdig, wenn es Teil der Wertschöpfung ist.“
Das Dialogforum von UBi zeigte: Biodiversität wird für Unternehmen dort strategisch relevant, wo Geschäftsmodelle, Produkte, Lieferketten, Standards, Finanzierungsfragen und Kommunikation betroffen sind. Entscheidend ist, dass Unternehmen nicht bei Einzelmaßnahmen stehen bleiben, sondern Biodiversität systematisch in Managemententscheidungen und Kooperationsstrukturen einbeziehen.
Über „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“
Das Projekt „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ hat zum Ziel, die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) zu unterstützen und Unternehmen für das Thema Biodiversität zu aktivieren. Das Projekt wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN). Das UBi-Projekt wird von fünf Projektpartnern durchgeführt: Biodiversity in Good Company, Bodensee-Stiftung, DIHK Service GmbH, Global Nature Fund und Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP). Informationen zum Projekt Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi stehen online unter https://www.unternehmen-biologische-vielfalt.de/ bereit.
Pressekontakt Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi
Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production gGmbH (CSCP)
Katrin Hüttepohl, Communication Manager
Telefon: +49 202 459 58 – 17
E-Mail: info@unternehmen-biologische-vielfalt.de
Über ‘Biodiversity in Good Company’ Initiative e.V.
‘Biodiversity in Good Company’ Initiative e.V. (BiGC) ist ein branchenübergreifender Zusammenschluss von Unternehmen, die für den Schutz der biologischen Vielfalt im Interesse von Wirtschaft eintreten. Im Rahmen der COP 9 2008 in Bonn wurde BiGC auf Impuls vom Bundesumweltministerium, der GIZ und einigen Unternehmen als erste Business and Biodiversity Initiative weltweit ins Leben gerufen. Seit August 2011 ist die Initiative ein gemeinnützig eingetragener Verein, welcher heute von über 50 Mitgliedsunternehmen aus Deutschland getragen wird. Die Mitglieder der Initiative verpflichten sich, über ihre Aktivitäten im Bereich Biodiversität alle zwei Jahre zu berichten (Fortschrittberichte) und engagieren sich für die CBD-Ziele.
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Pressekontakt ‘Biodiversity in Good Company’ Initiative e.V.
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