Pressemitteilung: Biodiversität in der Textilindustrie: Neuer Branchen-Check zeigt zentrale Hebel für Unternehmen

Bild des Autors erstellt am 10.09.2026
von CSCP gGmbH

Bonn: Von der Rohstoffgewinnung über Design und Produktion bis zum Ende des Produktlebens: Die Textil-, Mode- und Bekleidungsindustrie steht entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette in enger Wechselwirkung mit der Natur. Ein neuer „Branchen-Check Biodiversität“ des Global Nature Fund, der im Rahmen des Projekts „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ entstanden ist, zeigt Unternehmen, wo besonders relevante Auswirkungen und Abhängigkeiten bestehen und wie sie Biodiversität systematisch in Strategie, Einkauf, Produktentwicklung und weitere Unternehmensbereiche integrieren können.

Der „Branchen-Check Biodiversität für die Textil-, Mode- und Bekleidungsindustrie“ verbindet Hintergrundwissen mit konkreten Handlungsempfehlungen, Checklisten, möglichen Kennzahlen sowie Instrumenten. Damit unterstützt er Unternehmen dabei, Biodiversitätsrisiken zu identifizieren, Handlungsfelder zu priorisieren und geeignete Maßnahmen abzuleiten und bietet zugleich Orientierung für die systematische Auseinandersetzung mit biodiversitätsbezogenen Anforderungen und Wesentlichkeitsanalysen.

Grundlage des Branchen-Checks sind ein umfassendes Screening der Textilbranche, die Expertise aus Biodiversitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement sowie Erkenntnisse aus Biodiversity-Checks mit vier Unternehmen der Branche. Damit verbindet die Publikation fachliche Analyse mit Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis.

Der Branchen-Check ist im Rahmen des Projekts „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ entstanden. UBi hat zum Ziel, die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) zu unterstützen und Unternehmen für das Thema Biodiversität zu aktivieren. Das Projekt wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN).

Die größten Hebel liegen am Anfang der Lieferkette

Ein zentrales Ergebnis des Branchen-Checks ist: Für die Biodiversität sind die frühen Stufen der textilen Wertschöpfungskette besonders relevant. Bei der Rohstoffgewinnung treffen verschiedene Belastungen zusammen, darunter Landnutzung, hoher Wasserverbrauch, der Einsatz von Chemikalien und die Veränderung natürlicher Lebensräume.

Gleichzeitig ist die Textilindustrie auf funktionierende Ökosysteme angewiesen. Fruchtbare Böden, ausreichend verfügbares und sauberes Wasser sowie natürliche Rohstoffe sind wesentliche Grundlagen für ihre Produktion. Insbesondere Design, Einkauf und Lieferantenmanagement spielen dabei eine Schlüsselrolle. Unternehmen können bereits bei der Entwicklung und Auswahl von Produkten Einfluss darauf nehmen, welche Materialien eingesetzt werden, wie langlebig und kreislauffähig Produkte gestaltet sind und welche Anforderungen an Lieferanten gestellt werden.

Vier zentrale Handlungsfelder für Textilunternehmen

Der Branchen-Check bündelt die Ergebnisse in vier übergeordneten Handlungsfeldern:

 

  • Biodiversität strategisch verankern: Unternehmen sollten die Auswirkungen und Abhängigkeiten systematisch analysieren, Biodiversität in ihre bestehenden Nachhaltigkeits- und Unternehmensstrategien integrieren sowie konkrete Ziele, Verantwortlichkeiten und personelle sowie finanzielle Ressourcen festlegen.
  • Biodiversitätskriterien im Einkauf stärken und Lieferketten transparenter machen: Insbesondere bei risikobehafteten Rohstoffen und Produktionsstandorten sind mehr Rückverfolgbarkeit, geeignete Nachhaltigkeitskriterien und eine systematische Erfassung biodiversitätsrelevanter Daten erforderlich.
  • Zusammenarbeit ausbauen: Gemeinsam mit Lieferanten, Brancheninitiativen, Standardorganisationen und Naturschutzakteuren lassen sich Herausforderungen adressieren, die einzelne Unternehmen allein nur schwer lösen können.
  • Biodiversität an eigenen Standorten fördern: Naturnah gestaltete Firmengelände und Maßnahmen zur Wiederherstellung von Natur können einen sichtbaren Beitrag leisten und zugleich Mitarbeitende für das Thema sensibilisieren. Sie ersetzen jedoch nicht die notwendige Transformation der Lieferketten, sondern ergänzen diese.

„Für viele Unternehmen ist inzwischen klar, dass Biodiversität relevant ist. Schwieriger ist die Frage, wo sie konkret anfangen und welche Maßnahmen tatsächlich Wirkung entfalten. Genau hier setzt der Branchen-Check an: Er hilft Unternehmen, ihre wichtigsten Hebel entlang der Wertschöpfungskette zu identifizieren und Biodiversität Schritt für Schritt in bestehende Prozesse zu integrieren“, sagt Bettina Faust, Project Manager Business & Biodiversity, Global Nature Fund.

Checklisten für die Unternehmenspraxis

Die Publikation betrachtet zentrale Unternehmensbereiche von Strategie und Management über Produktdesign und Beschaffung bis hin zu Kreislaufwirtschaft, Kommunikation, Personalwesen und Firmengeländen. Bei der Rohstoffbeschaffung werden unter anderem Baumwolle, Wolle und synthetische Fasern vertieft betrachtet.

Die integrierten Checklisten übersetzen die Erkenntnisse in konkrete Kriterien für Datenmanagement, interne Strukturen, Einkauf und Lieferantenmanagement. Dabei orientiert sich der Branchen-Check an der Vermeidungshierarchie: Zunächst sollen negative Auswirkungen vermieden, anschließend reduziert und geschädigte Natur wiederhergestellt beziehungsweise regeneriert werden. Für die Textilindustrie bedeutet dies auch, den Ressourcenverbrauch zu senken und lineare Geschäftsmodelle stärker in Richtung Kreislaufwirtschaft weiterzuentwickeln. Etwa durch langlebige und reparierbare Produkte, Sekundärrohstoffe, Rücknahmesysteme und eine bessere Recyclingfähigkeit.

Der „Branchen-Check Biodiversität für die Textil-, Mode- und Bekleidungsindustrie“ steht ab sofort kostenlos zum Download zur Verfügung: https://globalnature.org/download/branchen-check-biodiversitaet-textil-mode-und-bekleidungsindustrie/


Über „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“

Das Projekt „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ hat zum Ziel, die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie 2030 (NBS 2030) zu unterstützen und Unternehmen für das Thema Biodiversität zu aktivieren. Das Projekt wird gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN).

Das UBi-Projekt wird von fünf Projektpartnern durchgeführt: Biodiversity in Good Company, Bodensee-Stiftung, DIHK Service GmbH, Global Nature Fund und Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP).

Informationen zum Projekt Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi stehen online unter unternehmen-biologische-vielfalt.de bereit.

Pressekontakt Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi

Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production gGmbH (CSCP)
Katrin Hüttepohl, Communication Manager
Telefon: +49 202 459 58 – 17
E-Mail: info@unternehmen-biologische-vielfalt.de

 

Über den Global Nature Fund

Der Global Nature Fund (GNF) ist eine in Deutschland registrierte, internationale tätige Stiftung mit langjähriger Erfahrung bei der Umsetzung von Wasserprojekten. Der GNF setzt sich durch weltweite Natur- und Umweltschutzprojekte für eine nachhaltige globale Entwicklung innerhalb der planetaren Grenzen ein. Ziel ist es, einen gesunden Planeten und eine intakte biologische Vielfalt als Lebensgrundlage für Menschen und Natur zu fördern. Die Schwerpunktthemen des GNF sind Naturschutz, Klimaschutz, Gewässerschutz und Wirtschaft & Nachhaltigkeit. www.globalnature.org

Pressekontakt Global Nature Fund

Global Nature Fund
Eva Schellenbeck, Kommunikations- & Marketingmanagerin
Telefon: +49 176 824 264 03

E-Mail: schellenbeck@globalnature.org

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