Vom 23. bis 24. Oktober 2025 fand in Helsinki der European Business and Nature Summit (EBNS) statt, eine zentrale, internationale Plattform für den Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Wissenschaft zum Thema Biodiversität und nachhaltige Unternehmensführung. Organisiert von der Europäischen Kommission, Sitra, der EU-Business and Biodiversity Platform und weiteren Partnern, stand die Veranstaltung unter dem Motto: „Gemeinsam für eine naturpositive Zukunft“. Caroline Lamps, Vertreterin der Biodiversity in Good Company, nahm an der Konferenz teil und bringt zentrale Erkenntnisse und Impulse mit.

© Caroline Lamps
Zentrale Botschaften der Veranstaltung
Die Eröffnungsreden von Emma Kari (CEO, One Planet, ehemalige finnische Umweltministerin) und John Sabet (Gründer, Antenna) betonten die Dringlichkeit, Biodiversität als strategische Priorität in der Wirtschaft zu verankern. 2025 markiert einen Wendepunkt: Mit über 800 veröffentlichten CSRD-Berichten (Corporate Sustainability Reporting Directive) wird die Doppelte Wesentlichkeit – die Berücksichtigung von ökologischen und sozialen Aspekten – zunehmend zur Praxis. Gleichzeitig zeigen sich Herausforderungen wie konkurrierende Unternehmensprioritäten, Rückwärtstrends und die Notwendigkeit, den Nutzen von Naturinvestitionen greifbarer zu machen.
Eric Mamer (Generaldirektor für Umwelt, EU-Kommission) unterstrich die Bedeutung von Ziel 15 des Kunming-Montreal-Rahmenwerks, das Unternehmen auffordert, biodiversitätsbezogene Risiken zu bewerten, offenzulegen und zu reduzieren. Drei zentrale Botschaften prägten seine Rede:
- Naturschutz stärkt die Resilienz von Unternehmen.
- Untätigkeit birgt langfristige Risiken – kurzfristige Gewinne durch Naturzerstörung sind trügerisch.
- Investitionen in Natur sind eine wirtschaftliche Chance – Investoren fordern zunehmend Instrumente wie z.B. Natur-Credits und Green Bonds.
Jessika Roswall, EU-Kommissarin für Umwelt, betonte: „Es gibt kein gesundes Geschäft auf einem kranken Planeten.“ Die EU setzt auf Transparenz in Bilanzen, die Naturbeiträge sichtbar machen, und auf die Förderung der Kreislaufwirtschaft, um langfristiges Wachstum zu sichern.

Eröffnungssequenz des EBNS 2025: Emma Kari und weitere Sprecher:innen setzen auf dem Podium zentrale Impulse zu Biodiversität, Unternehmensverantwortung und naturpositiven Geschäftsstrategien. | © European Union, 2025
Business Action: Wie Unternehmen Natur in ihre Strategien integrieren
Im Fokus stand die Frage: Wie können Unternehmen glaubwürdige Maßnahmen für Biodiversität umsetzen? Die Diskussionen zeigten, dass es drei Typen von Unternehmen gibt:
- Pioniere, die freiwillig handeln.
- Interessierte, die Unterstützung bei der Umsetzung benötigen.
- Zögerliche, die die regulatorischen Vorgaben brauchen.
Marco Lambertini (Nature Positive Initiative) forderte eine Entschlüsselung des Themas Biodiversität und betonte, dass Natur oft erst wertgeschätzt wird, wenn sie zerstört ist. Unternehmen sollten ihre Abhängigkeiten von Natur analysieren (z. B. über den LEAP-Ansatz), um Geschäftsmodelle resilienter zu gestalten.
In einem Workshop wurde an folgenden praktischen Beispielen gearbeitet:
- Henkel: Um die Wechselbeziehung zwischen Rohstoffbeschaffung und Natur zu bewerten und Rohstoffe zu bewerten, nutzt das Unternehmen u.a. Standortdaten. Diese werden in einer Datenbank zusammengeführt. Im Workshop wurde gebrainstormt, wie statistische Daten in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden können.
- Tetra Pak: das Unternehmen hat seinen business case für die Natur aufgebaut und verpflichtet sich die Auswirkungen der Produktionsstätten auf die Natur zu reduzieren. Im Workshop wurde nun überlegt, wie diese erarbeiteten Strategien in Maßnahmen sowohl für die Führungsebene als auch auf der Fabrik-Ebene umgesetzt werden können.
- Ørsted: bis 2030 hat sich das Unternehmen als Ziel gesetzt eine netto-positive Wirkung auf die Biodiversität zu haben. Anhand eines Beispiels einer Off-Shore Wind Anlage zeigt das Unternehmen, wie sie ihre Auswirkungen und Abhängigkeiten bewerten, indem sie sowohl Lebensräume und Arten monitoren. Im Workshop wurde überlegt wie trotz diverser Stakeholder-Erwartungen, sich wandelnde regulatorische Umfeld und Konflikte mit anderen Sektoren (z.B. Fischerei) das Unternehmen sein Ziel in konkrete Schritte umsetzen kann.
Gemeinsame Erkenntnisse und Erfolgsfaktoren, der drei business cases:
- Sprache der Zielgruppe sprechen: Bei der Zielgruppenanalyse und Konfliktklärung darauf achten, die Sprache der Zielgruppe (z.B. CEO-, CFO-, Investoren-„Sprech“) zu sprechen.
- Know-how aufbauen und Ressourcen zur Verfügung stellen: von der Geschäftsführung bis zur Werksebene.
- Dialog fördern: um Konflikte zu reduzieren und Lösungen gemeinsam zu entwickeln muss der Dialog zwischen allen Stakeholdern ermöglicht werden.

Teilnehmende des EBNS 2025 arbeiten in einem Workshop gemeinsam an Strategien, wie Unternehmen Naturabhängigkeiten analysieren und biodiversitätsfreundliche Maßnahmen praxisnah umsetzen können. | © European Union, 2025
Natur-Credits: Ein neues Instrument für den Naturschutz?
Ein zentrales Thema war die Entwicklung von Natur-Credits als Ergänzung zu bestehenden Regularien. Anders als Carbon Credits (CO₂-Emissionsreduktion). sollen Natur-Credits messbare, positive Auswirkungen auf Ökosysteme abbilden und die Beiträge der Natur für den Menschen sichern.
Herausforderungen und Lösungsansätze:
- Regionale Ansätze sind wertvoll, aber EU-weite Leitlinien bleiben nötig.
- Mitigation-Hierarchie beachten: Nature Credits sind erst das Ende des Weges. Erst gilt es: Vermeiden, Minimieren, Wiederherstellen, Kompensieren (z.B. durch Nature Credits).
- Pilotprojekte zeigen, dass lokale Lösungen mit klaren Erfolgsmetriken funktionieren.
- Vermeidung von Greenwashing: Transparenz und hohe Integrität sind entscheidend.
Bettina Döser (EU-Kommission) bezog sich auf die EU-Roadmap für Natur-Credits, die in den EU-Green Deal und die Naturwiederherstellungsverordnung (Nature Restoration Law) eingebettet wird. Sie unterstrich, dass sowohl öffentliche Mittel als auch Private Investitionen der Weg in die Zukunft sind und das eine ohne das andere nicht funktioniert.
Relevanz für Unternehmen: Warum jetzt handeln?
Die EBNS 2025 machte deutlich: Biodiversität ist kein „Nice-to-have“, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Unternehmen, die jetzt handeln, sichern sich Wettbewerbsvorteile, reduzieren Risiken und erschließen neue Märkte.
Konkrete Handlungsaufforderungen:
- Natur in die Kernstrategie integrieren – als Teil der Risikoanalyse und der Innovationsagenda.
- Daten nutzen, um Abhängigkeiten zu verstehen und Maßnahmen abzuleiten.
- Natur-Credits als Ergänzung zu bestehenden Instrumenten prüfen.
- Partnerschaften eingehen – mit NGOs, Politik und anderen Unternehmen.
Humberto Delgado Rosa (EU-Kommission) erinnerte: „Man führt durch Vorbild, nicht durch Zwang.“ Die Transformation hin zu einer naturpositiven Wirtschaft gelingt nur gemeinsam.

Publikum beim EBNS 2025: Unternehmens- und Politikvertreter:innen verfolgen die Diskussionen zu naturpositiven Geschäftsstrategien und den wirtschaftlichen Chancen von Biodiversität. | © European Union, 2025
Fazit: Gemeinsam die Zukunft gestalten
Die EBNS 2025 zeigte: Es gibt Fortschritte, aber der Weg ist noch lang. Unternehmen sind gefragt, Mut zu haben, voranzugehen und andere mitzunehmen. Der Verein Biodiversity in Good Company wird die Erkenntnisse in seine Arbeit einfließen lassen und Unternehmen weiterhin dabei unterstützen, Biodiversität als Chance für Innovation und Resilienz zu begreifen. Nicht zuletzt durch die Anwesenheit von Mitgliedsunternehmen der BiGC zeigt sich, dass unsere Mitglieder bereits auf dem Weg sind. Veranstaltungen, wie die EBNS, bestärken Sie in Ihrem Tun. Als Pioniere, setzen unsere Mitglieder Biodiversität in den Kern Ihrer Aktivitäten und suchen nach Unterstützung durch stabile langfristige nationale und europäische Regelwerke.
Bilder und Aufnahmen können Sie auf der Veranstaltungswebseite finden: European Business and Nature Summit 2025
Titelbild © European Union, 2025
Text: Caroline Lamps, Biodiversity in Good Company Initiative