Mitten in Berlin: Wie BEW Unternehmensflächen zu Lebensräumen entwickelt

Bild des Autors erstellt am 18.08.2026
von CSCP gGmbH

Tiny Forests, Dachbegrünungen, entsiegelte Flächen und Bildungsprojekte: Die BEW zeigt, wie sich Biodiversität im Umweltmanagement verankern und im Stadtraum sichtbar machen lässt.

Berlin ist dicht. Flächen sind knapp, Nutzungen überlagern und konkurrieren miteinander. Wo Energieversorgung, Verkehr, Wohnen und Arbeiten zusammenkommen, bleibt Natur oft nur dort übrig, wo gerade noch Platz ist. Gleichzeitig entscheidet sich gerade in Städten, wie lebenswert Räume künftig für Menschen, Pflanzen und Tiere sind.

Genau hier setzt die BEW Berliner Energie und Wärme GmbH an. Seit 2021 ist Biodiversität als eigenes Programm im Umweltmanagement verankert. Auf Basis einer wissenschaftlichen Vorstudie wurden die Potenziale der Unternehmensstandorte analysiert. Seit 2022 werden schrittweise Maßnahmen umgesetzt. Flächen wurden teilweise entsiegelt, Dächer begrünt, und naturnahe Aufenthaltsbereiche geschaffen. Besonders sichtbar ist der Tiny Forest, der gemeinsam mit Mitarbeitenden, Anwohner:innen und Schüler:innen auf einer ehemaligen Brachfläche im Märkischen Viertel entstanden ist.

Damit wird Biodiversität bei der BEW nicht nur als ökologische Aufgabe, sondern auch als Teil einer größeren Transformation verstanden. Neben Klimaschutz und Dekarbonisierung steht nun auch die Frage im Mittelpunkt, wie Unternehmensflächen in der Stadt Lebensräume schaffen, das Mikroklima verbessern und Menschen für biologische Vielfalt sensibilisieren können.

Für diesen Ansatz wurde die BEW Berliner Energie und Wärme GmbH im Jahr 2026 im Rahmen des Projekts „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi“ mit dem Biodiversitätspreis für die Wirtschaft in der Kategorie „Naturnahes Firmengelände“ als Großunternehmen ausgezeichnet. Die BEW ist zudem Gründungsmitglied des Berliner Biodiversitätsbündnisses, das Unternehmen in der Region vernetzt und sie beim praktischen Einstieg in das Thema unterstützt.

Im Interview sprechen wir mit Gissela Riccio vom Bereich Umweltmanagement (verantwortlich für die Biodiversität und nachhaltige Entwicklung) der BEW darüber, wie Biodiversität in einem Energieunternehmen verankert wird, warum Bildung und Beteiligung dabei eine zentrale Rolle spielen und was andere Unternehmen aus den Erfahrungen in Berlin mitnehmen können.

Menschen gestalten eine Grünfläche auf einem BEW-Unternehmensgelände naturnah um.

Auf Unternehmensflächen der BEW entstehen Schritt für Schritt neue Lebensräume für Pflanzen, Tiere und Menschen. | Foto: Leo Seidel

Frau Riccio, bei der Preisverleihung haben Sie Biodiversität als Teil eines Transformationsprogramms beschrieben. Welche Rolle spielt biologische Vielfalt für ein Unternehmen, das vor allem mit Energie- und Wärmeversorgung in Verbindung gebracht wird?

Wir betreiben 18 große Energieerzeugungsanlagen in Berlin sowie zahlreiche dezentrale Standorte. Kurz gesagt: Mit unseren Kraftwerken, Heizwerken und Leitungsnetzen sind wir in der gesamten Stadt präsent. Gerade als eines der Unternehmen mit den höchsten Emissionen in Berlin tragen wir eine besondere Verantwortung. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, beim Schutz und der Förderung der biologischen Vielfalt direkt vor unserer eigenen Haustür zu beginnen. Wenn wir als Landesunternehmen und Mitgestalter der nachhaltigen Entwicklung Berlins hier nicht mit gutem Beispiel vorangehen, würden wir unserer gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht werden.

Seit 2021 ist das Thema Biodiversität als eigenes Programm im Umweltmanagement von BEW verankert. Welche Veränderungen gab es dadurch im Unternehmen?

Zu Beginn war uns selbst nicht bewusst, wie viel Potenzial für Biodiversitätsprojekte auf unseren eigenen Flächen vorhanden ist und wie viele wertvolle Biotope dort bereits existieren. Die wissenschaftliche Begleitung durch Experten wie Professor Sascha Buchholz sowie die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Bildungseinrichtungen, insbesondere der Berliner Hochschule für Technik, waren entscheidende Bausteine, um Wissen, Verständnis und Sensibilität für das Thema innerhalb der Belegschaft zu stärken.

Seitdem haben wir eine Vielzahl erfolgreicher Projekte umgesetzt und das Thema Biodiversität fest im Unternehmen verankert, trotz mangelnder nachhaltiger Strategie in der Organisation. Gleichzeitig haben wir gelernt, dass die praktische Umsetzung oft komplexer ist, als sie auf den ersten Blick erscheint. Insbesondere die zunehmende Flächenkonkurrenz stellt uns vor Herausforderungen. Im Zuge der Wärmewende und der damit verbundenen Bau- und Modernisierungsprojekte befinden sich viele unserer Standorte in einem stetigen Wandel. Dadurch sind einige Flächen derzeit nur eingeschränkt für Biodiversitätsmaßnahmen geeignet oder müssen nach Abschluss der Bauarbeiten erneut bewertet werden. Das zeigt, dass Biodiversität kein isoliertes Projekt ist, sondern langfristig mit der strategischen Entwicklung unserer Standorte mitgedacht werden muss. Gerade bei Transformations- und Infrastrukturprojekten ist es wichtig, Nachhaltigkeitsaspekte von Anfang an einzubeziehen und die ökologischen Auswirkungen eines Standorts langfristig zu betrachten. Auch wenn wir bereits viel erreicht haben, sind wir noch nicht am gewünschten Ziel einer nachhaltigen Entwicklung. Umso wichtiger ist die kritische Begleitung durch die Zivilgesellschaft. Sie hilft uns, unsere Entscheidungen bewusster abzuwägen und ökologische Auswirkungen langfristig stärker zu berücksichtigen.

Zu Beginn stand eine wissenschaftliche Potenzialanalyse der Standorte. Welche Aspekte hat diese Analyse sichtbar gemacht, die im normalen Betriebsalltag vielleicht übersehen worden wären?

Die Potenzialanalyse hat aus meiner Sicht vor allem zwei wichtige Erkenntnisse sichtbar gemacht. Erstens war vielen Kollegen gar nicht bewusst, dass auf unseren Flächen bereits wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen existierten. So stellte sich beispielsweise heraus, dass vermeintlich gewöhnliche Grünflächen in einigen Fällen artenreiche Magerrasen waren, oder brachliegende Flächen ideale Voraussetzungen für heimische Stauden und Kräuter waren.

Zweitens hat die Analyse einen Umdenkprozess angestoßen. Biodiversität wird heute nicht nur als Grünfläche verstanden, sondern als wichtiger Beitrag zur Resilienz und Lebensqualität unserer Stadt. Die Erkenntnis, dass auch technische und industriell geprägte Standorte wertvolle Lebensräume schaffen und erhalten können, hat das Bewusstsein im Unternehmen positiv verändert.

Ein besonders anschauliches Projekt ist der Tiny Forest, der auf einer ehemaligen Brachfläche entstanden ist. Wie kam es zu diesem Projekt und was macht es für die BEW besonders?

Nach der Potenzialanalyse waren wir auf der Suche nach einer geeigneten Fläche für eine Biodiversitätsmaßnahme als Leuchtturmprojekt. Vom Kraftwerksleiter im Märkischen Viertel erhielten wir den Hinweis, dass eine direkt an das Kraftwerk angrenzende Fläche frei war und dort kein Bauprojekt geplant war. Die Fläche war bereits seit mehreren Jahren an einen unserer Großkunden verpachtet. Daher mussten wir nicht nur beim Bezirksamt die Genehmigung für die Pflanzung eines Tiny Forest beantragen, sondern auch die Zustimmung des Pächters einholen.

Da wir bereits zwei Urban-Gardening-Projekte betreiben, bestand die ursprüngliche Idee darin, an diesem Standort einen weiteren Urban Garden zu errichten. Aufgrund der Lage erwies sich die Fläche jedoch als wenig geeignet für ein Urbang-Gardening-Projekt. Daher tauschte ich mich mit Bekannten und verschiedenen Ökologen aus. Einer von ihnen war Förster und berichtete von einem innovativen ökologischen Konzept: dem Tiny Forest, der zu diesem Zeitpunkt in Berlin noch nicht existierte. Die Idee begeisterte mich sofort, insbesondere weil in unmittelbarer Nähe Holzhackschnitzel in unserem Kraftwerk verwertet wurden.

Die positiven ökologischen und sozialen Effekte eines Tiny Forests erschienen mir einzigartig. Ein weiterer Pluspunkt war die Möglichkeit, durch dieses Projekt wertvolle Erkenntnisse über die Wirkung und Entwicklung von Tiny Forests im urbanen Raum zu gewinnen und deren Potenzial für die Stadt besser zu verstehen.

Neben dem Tiny Forest setzen Sie weitere Maßnahmen um, darunter Dachbegrünung, Flächenentsiegelung, urbane Gärten und naturnahe Aufenthaltsbereiche. Welche dieser Maßnahmen entfalten Ihrer Meinung nach eine besonders starke Wirkung?

Ich kann nicht pauschal sagen, ob eine Maßnahme besser ist oder eine stärkere Wirkung entfaltet als eine andere. Zunächst besichtigen wir die potenzielle Fläche und entscheiden gemeinsam mit der Partnerfirma, in der Regel zusammen mit einer Naturgartenplanerin, welche Gestaltung für den Standort am geeignetsten ist. Dabei analysieren wir unter anderem den Bodenzustand, die Licht- und Sonnenverhältnisse, die Wasserverfügbarkeit sowie die Frage, ob die Fläche eher als Aufenthalts- und Erholungsort für Mitarbeitende oder primär für ökologische Zwecke genutzt werden soll. Auf stark versiegelten Flächen stellen Fassaden- und Dachbegrünungen oft eine sehr sinnvolle Maßnahme dar, weshalb wir diese gezielt vorantreiben. Die Umsetzung ist jedoch leider nicht immer möglich, da bei Bestandsgebäuden zunächst die statischen Voraussetzungen geprüft werden müssen. Vor allem die Tragfähigkeit sowie der Dachaufbau spielen dabei eine entscheidende Rolle. Bei der Entsiegelung von Flächen besteht insbesondere bei Gewerbeflächen häufig der Verdacht auf Altlasten. Deshalb haben wir solche Maßnahmen bislang nur in Einzelfällen erwogen. Der Schwerpunkt der bisher realisierten Projekte liegt daher auf Klimaanpassungsmaßnahmen, bei denen wir gezielt heimische und trockenheitsresistente Arten einsetzen.

Naturnahes Strukturelement mit Sandfläche, Totholz und Holzstamm auf einer BEW-Unternehmensfläche.

Auf Unternehmensflächen der BEW entstehen unterschiedliche naturnahe Strukturen, die Lebensräume und Rückzugsorte für Tiere schaffen. | Foto: Leo Seidel

In Ihrer Dankesrede haben Sie betont, wie wichtig es ist, Biodiversität für Mitarbeitende, Schüler:innen und die Öffentlichkeit sichtbar und greifbar zu machen. Was passiert, wenn Menschen Biodiversität direkt vor Ort erleben?

Ich komme selbst aus einer Metropole mit rund zehn Millionen Einwohnern, in der es nur wenige Grünflächen und kaum Niederschlag gab. Als ich vor 20 Jahren nach Berlin kam, war es für mich etwas Besonderes, in einer Stadt mit so vielen Bäumen und Grünflächen zu leben. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass die Natur uns glücklicher und gesünder macht. Es ist einfach Lebensqualität direkt vor unserer Haustür erlebbar. Leider schreitet die Urbanisierung weiter voran, und insbesondere in der Innenstadt werden Grün- und Brachflächen immer seltener. In den vergangenen fünf Jahren wurden in Berlin hochgerechnet fast 4 km² zusätzliche Flächen versiegelt. Gleichzeitig wurden rund 18.500 Straßenbäume gefällt. Die Auswirkungen spüre ich bereits im Alltag: Die Sommertage werden heißer, die Temperaturen auf versiegelten Flächen steigen deutlich an, und auch Wetterextreme nehmen zu. Ich beobachte, dass die Stadt zunehmend an Grün verliert.

Die Natur gehört für mich untrennbar zur Stadt. Deshalb ist es wichtig, Kinder früh an die Natur heranzuführen und sie dafür zu sensibilisieren, welchen Wert sie für unser Leben und unsere Gesundheit hat. Es ist wichtig zu vermitteln, dass Natur und Stadt keine Gegensätze sind. Vielmehr sind sie eng miteinander verbunden. Jedes Lebewesen, ob Pflanze, Insekt oder Vogel, leistet seinen Beitrag zum Erhalt unserer Lebensqualität.

Wenn es uns durch unsere Umweltbildungsprojekte gelingt, auch nur einen Teil der Schüler für den Schutz und die Förderung der Natur zu begeistern, mag es sehr optimistisch klingen, aber ich habe noch Hoffnung, dass zukünftige Generationen verantwortungsvoller mit unseren natürlichen Ressourcen und unserer Umwelt umgehen werden, als wir es heute tun.

Biodiversität in der Stadt bedeutet häufig, dass man mit begrenzten Flächen, Sicherheitsanforderungen und einem laufenden Betrieb umgehen muss. Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen bei der Umsetzung?

Die große Flächenkonkurrenz, die in den Städten besteht, spiegelt sich auch auf unseren Werks- und Geländeflächen wider. Freie Flächen sind stark umkämpft. Insbesondere an Standorten, an denen die verfügbaren Freiflächen begrenzt sind, stellt dies eine große Herausforderung für die Umsetzung von Biodiversitätsprojekten dar. Bei Bestandsgebäuden ist zudem eine enge Abstimmung mit dem Betrieb erforderlich, damit sichergestellt wird, dass die vorgesehenen Flächen mit der passenden Bepflanzung langfristig erhalten bleiben und ihre Pflege dauerhaft gewährleistet ist.

Bei Umbauprojekten und dem Neubau von Anlagen im laufenden Betrieb sollten neue Grünflächen sowie Dach- und Fassadenbegrünungen berücksichtigt werden. Leider gelingt dies nicht immer. Manche Kollegen zeigen dabei Verständnis und Weitblick und legen nicht nur Wert auf die technische Ausgestaltung und die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen, sondern auch auf die Entwicklung nachhaltiger Gewerbegebäude. Meistens werden Begrünungsprojekte jedoch aufgrund von Zeit- und Budgetmangel in den Bauprojekten nicht berücksichtigt.

Das BEW ist Gründungsmitglied des Berliner Biodiversitätsbündnisses. Welche Rolle spielt der Austausch mit anderen Unternehmen und Akteuren für Ihre Arbeit?

Von Beginn an haben wir eine offene und konstruktive Zusammenarbeit mit anderen Versorgungsunternehmen aufgebaut. Diese bildet die Grundlage für unsere erfolgreiche Kooperation. Wir arbeiten nun seit vier Jahren zusammen und haben in dieser Zeit bereits viel erreicht.

Neben der Entwicklung unserer Biodiversitätsleitlinie setzen wir gemeinsame Projekte um und geben dem Thema Biodiversität in der Hauptstadt ein Gesicht. Dazu organisieren wir regelmäßig Vorträge für die Öffentlichkeit sowie Exkursionen für unsere Mitarbeitenden.

Durch den kontinuierlichen Austausch und die enge Zusammenarbeit lernen wir voneinander und versuchen, wo immer möglich, gemeinsame Kooperationsprojekte umzusetzen. So entwickeln zum Beispiel die BEW und Stromnetz Berlin seit zwei Jahren verschiedene Begrünungsprojekte, bei denen sowohl Auszubildende als auch Mitarbeitende beider Unternehmen im Rahmen von Pflanzaktionen oder Pflegemaßnahmen aktiv mitwirken.

Bei der Preisverleihung haben Sie gesagt, dass Sie sich ursprünglich fast nicht bewerben wollten, weil Sie dachten, BEW brauche noch mehr Erfahrung. Was bedeutet die Auszeichnung heute für Sie und Ihr Team?

Ich nehme diese Auszeichnung mit großer Bescheidenheit, aber auch mit einem hohen Maß an Verantwortung an. Sie ist für uns nicht nur eine Anerkennung unserer bisherigen Arbeit, sondern zugleich eine starke Motivation und ein wichtiger Impuls, unseren Weg konsequent weiterzugehen.

Biodiversität braucht mehr Aufmerksamkeit und eine stärkere Verankerung auf Führungsebene. Wenn Führungskräfte das Thema aktiv unterstützen, stärken sie nicht nur die Nachhaltigkeit ihrer eigenen Organisation, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt als gesellschaftliche Verantwortung unserer Zeit.

Die Auszeichnung hat uns zusätzlichen Rückenwind gegeben. Sie schafft Sichtbarkeit, stärkt die Akzeptanz unserer Projekte und motiviert weitere Beteiligte, sich für das Thema einzusetzen. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir künftig noch mehr Unterstützung für neue Projekte und die dafür notwendigen Investitionen gewinnen können.

Gissela Riccio von der BEW hält gemeinsam mit Oliver Conz die Urkunde des Biodiversitätspreises für die Wirtschaft 2026.

Gissela Riccio nahm die Auszeichnung für die BEW Berliner Energie und Wärme GmbH bei der Preisverleihung in Berlin entgegen. | © Tom Maelsa

Was würden Sie anderen Unternehmen raten, die ihre Standorte biodiversitätsfreundlicher gestalten möchten, aber noch nicht wissen, wie sie im urbanen Umfeld beginnen sollen?

Ich würde Unternehmen empfehlen, wenn nicht im Haus vorhanden, sich zu Beginn fachliche Unterstützung zu holen. Dies kann beispielsweise über Kooperationen mit Hochschulen, Universitäten oder Naturschutzorganisationen wie dem NABU erfolgen, die teilweise auch kostenlose Beratungen anbieten.

Der erste Schritt sollte immer eine Bestandsaufnahme sein: Welche Flächen sind bereits vorhanden, welche ökologischen Potenziale gibt es und welche Maßnahmen lassen sich realistisch umsetzen? Oftmals sind mehr Möglichkeiten vorhanden, als man vermutet. Schon kleine Maßnahmen, wie die Beschilderung von Magerrasen, die Umgestaltung von Rasenflächen, oder größere Maßnahmen wie die Begrünung von Dächern und Fassaden, können einen wertvollen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt leisten.

Wichtig ist, einfach anzufangen und Biodiversität schrittweise in die Standortentwicklung zu integrieren. Nicht jedes Projekt muss groß sein. Entscheidend ist, die vorhandenen Potenziale zu erkennen, Finanzmittel zu sichern, langfristig auch an die Pflege zu denken und Mitarbeitende für das Thema zu begeistern. So können auch im urbanen Umfeld wertvolle Lebensräume entstehen und nachhaltig erhalten werden.

Menschen gestalten auf einem Dach naturnahe Pflanz- und Strukturelemente.

Gemeinsame Pflanz- und Gestaltungsaktionen machen Biodiversität auf Unternehmensflächen sichtbar und erlebbar. | Foto: Leo Seidel

Wo Stadtflächen zu Lernorten werden

Die BEW zeigt, dass sich Biodiversität nicht nur auf Parks, Grünzüge oder Schutzgebiete beschränkt. Auch Unternehmensstandorte können Teil urbaner Natur werden, insbesondere in Gebieten mit knappen Flächen und unterschiedlichen Nutzungen.

Entscheidend ist dabei die Verankerung im Unternehmen. Biodiversität entsteht hier nicht als einmalige Pflanzaktion, sondern als umfassendes Programm: Es wird wissenschaftlich vorbereitet, im Umweltmanagement verankert, mit konkreten Maßnahmen unterlegt und durch Bildungsangebote sichtbar gemacht. So entstehen aus Dächern, Restflächen, Innenhöfen oder ehemaligen Brachflächen Orte, an denen Pflanzen, Tiere und Menschen neuen Lebensraum finden.

Für andere Unternehmen liegt darin ein wichtiger Impuls. Wer Biodiversität im urbanen Raum fördern möchte, muss nicht auf ideale Bedingungen warten. Oft beginnt der Einstieg mit einer Potenzialanalyse, einer Fläche, einer Kooperation oder einer gemeinsamen Pflanzaktion. Entscheidend ist, dass daraus ein langfristiger Prozess wird.

Unternehmen, die ihre eigenen Standorte biodiversitätsfreundlicher gestalten möchten, finden im Projekt „Unternehmen Biologische Vielfalt – UBi” praxisnahe Ansätze, Beispiele und weiterführende Informationen zur Gestaltung naturnaher Firmengelände. Darüber hinaus bieten die regionalen Biodiversitätsbündnisse Raum für Austausch, Vernetzung und gemeinsames Lernen, wie das Berliner Biodiversitätsbündnis, dem der BEW als Gründungsmitglied angehört.

Interviewpartnerin:

Gissela Riccio, Umweltmanagement – Referentin für Biodiversität und nachhaltige Entwicklung

BEW Berliner Energie und Wärme GmbH
Hildegard-Knef-Platz 2
10829 Berlin

www.bew.berlin

Porträt von Gissela Riccio, Referentin für Biodiversität und nachhaltige Entwicklung bei der BEW.

Gissela Riccio verantwortet bei der BEW Themen rund um Biodiversität und nachhaltige Entwicklung. | Foto: Kevin Ramolla

Titelbild: Gissela Riccio

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