Klimarisiken erkennen und handeln: Der Quick-Check zur Klimawandelanpassung von Liegenschaften

Bild des Autors erstellt am 16.04.2026
von Bodensee-Stiftung

Ob Hitzewellen, Starkregen oder Hochwasser: die Auswirkungen des Klimawandels betreffen zunehmend Gebäude, Betriebsflächen und kommunale Liegenschaften. Doch wie anfällig ist ein konkreter Standort eigentlich für diese Risiken? Und wo lohnt es sich besonders, mit Anpassungsmaßnahmen anzusetzen?

Mit dem Quick-Check „Klima“ hat die Bodensee-Stiftung ein einfach anwendbares Tool entwickelt, das eine erste Einschätzung der Klimavulnerabilität von Standorten ermöglicht. Der Excel-basierte Ansatz unterstützt Unternehmen dabei, Risiken zu erkennen und naturbasierte Maßnahmen gezielt zu priorisieren.

Ein schneller Einstieg in die Klimawandelanpassung

Der Quick-Check „Klima“ ist als niedrigschwelliger Einstieg in das Thema Klimarisiken konzipiert. Innerhalb von 30 bis 60 Minuten können Nutzende eine erste Einschätzung vornehmen und so ein besseres Verständnis dafür entwickeln, wie stark ihre Liegenschaft von klimabedingten Risiken betroffen sein könnte.

Im Mittelpunkt stehen vier zentrale Komponenten einer Vulnerabilitätsanalyse:

 

  • Exposition: In welchem Maß ist der Standort klimatischen Risiken wie Hitze, Starkregen oder Hochwasser ausgesetzt?
  • Sensitivität: Wie anfällig sind Gebäude, Außenanlagen und die Menschen vor Ort gegenüber diesen Risiken?
  • Potenzielle Auswirkungen: Welche Folgen können sich daraus ergeben?
  • Anpassungskapazität: Welche Maßnahmen zur Klimaanpassung sind bereits umgesetzt oder könnten umgesetzt werden?

Die Bewertung erfolgt über eine übersichtliche Skala von „gering“ bis „extrem hoch“ (grün bis rot). Am Ende erhalten Nutzende eine zusammenfassende Einschätzung der Vulnerabilität ihres Standorts, ergänzt um konkrete Vorschläge für geeignete naturbasierte Klimaanpassungsmaßnahmen.

Gewerbegebäude mit versiegelten Flächen und geringer Begrünung als Beispiel für klimaanfällige Standorte

Stark versiegeltes Firmengelände mit Parkplatz und dunklen Fassaden, welches sich im Sommer stark aufheizt und auf dem Regenwasser kaum versickern oder abfließen kann. | © Daniela Dietsche, Bodensee-Stiftung

Datengestützt und praxisnah entwickelt

Der Quick-Check „Klima“ basiert auf wissenschaftlichen Grundlagen, die gezielt um praxisrelevante Aspekte ergänzt wurden. Für die Bewertung der Exposition werden Karten der Bundesanstalt für Gewässerkunde und des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung als Datengrundlage herangezogen. Der Fokus liegt auf drei in Deutschland besonders relevanten Klimarisiken: Hitze, Starkregen und Hochwasser.

Die Sensitivität von Gebäuden orientiert sich an bestehenden Einstufungen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Ergänzend wurden durch die Bodensee-Stiftung Aspekte wie Außenanlagen, Vegetation und mögliche Auswirkungen auf Menschen integriert. Der Aufbau folgt einem strukturierten Fragebogen und unterscheidet zwischen Risiken durch Hitze und Wasser.

Auch die Anpassungskapazität wird systematisch erfasst: Nutzende geben an, welche Maßnahmen bereits umgesetzt sind oder realistisch umgesetzt werden könnten. Diese werden gewichtet und in die Gesamtbewertung einbezogen.

Auf Basis der Ergebnisse schlägt der Quick-Check „Klima“ automatisch geeignete naturbasierte Maßnahmen vor. Ergänzend steht ein Maßnahmenkatalog mit detaillierten Erläuterungen und Praxisbeispielen zur Verfügung.

Screenshot des Excel-basierten Quick-Checks zur Bewertung von Klimarisiken für Gebäude

Das Tool ermöglicht eine strukturierte Einschätzung der Klimavulnerabilität von Standorten. | © Bodensee-Stiftung

Jetzt verfügbar: Klimarisiken frühzeitig erkennen und handeln

Nach einer erfolgreichen Pilotphase steht der Quick-Check „Klima“ nun öffentlich zur Verfügung und unterstützt Organisationen beim Einstieg in die naturnahe Klimawandelanpassung. Aktuell ist das Tool für Standorte in ganz Deutschland ausgelegt; Versionen für Österreich und die Schweiz sind in Vorbereitung.

Fest steht: Je früher Klimarisiken erkannt werden, desto gezielter lassen sich wirksame Maßnahmen umsetzen. Naturbasierte Lösungen – etwa zusätzliche Grünflächen, verbesserte Versickerungsmöglichkeiten oder beschattende Vegetation – können einen wichtigen Beitrag leisten, um Standorte resilienter gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen und gleichzeitig die Biodiversität zu fördern.

Sie möchten den Quick-Check zur Klimawandelanpassung verwenden oder mehr über naturbasierte Klimaanpassung erfahren? Dann nehmen Sie gerne mit uns Kontakt auf, wir freuen uns über Ihr Interesse und Ihr Feedback aus der Praxis.

Titelbild: © Daniela Dietsche, Bodensee-Stiftung

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