Wirtschaftsführer unterstützen „Nature Positive“

Bild des Autors erstellt am 09.11.2022
von CSCP / Alexander Mannweiler

European Business & Nature Summit 2022

Die europäische Wirtschaft diskutierte Möglichkeiten und Probleme auf dem EBNS.

Im Oktober 2022 fand in Brüssel der European Business & Nature Summit statt. Mehr als 500 internationale Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren anwesend, darunter zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft und dem Finanzsektor, politische Amtsträger sowie Repräsentantinnen von NGOs. Alle im Willen geeint, sich auf den neuesten Stand zum Thema Biodiversität zu bringen und sich mit Repräsentanten von Initiativen wie  der deutschen „German Business for Biodiversity“ oder der internationalen „Capitals Coalition“ auszutauschen.

 

Workshops und Diskussionen

Der Summit bot Rednerinnen die Möglichkeit, in divers gestalteten Diskussionsrunden den Stand der Biodiversität zu debattieren sowie dem Publikum, sich in themenbezogenen Workshops über verschiedene Wirtschaftssektoren ein Bild zu machen. Im Kern der Vorträge ging es darum, wie es alle Stakeholder gemeinsam schaffen:

 

– den Wert der Biodiversität zu bemessen,

– sich zu Maßnahmen für deren Erhalt zu bekennen,

– die Erkenntnisse und Aktivitäten transparent darzustellen und

– letzten Endes zu einem grundlegenden Transformationsprozess beizutragen, damit die Beziehung zwischen Natur und Wirtschaft in Einklang gebracht wird.

 

 

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Roche Hoffmann EBNS 2022 Bühne

 

Klimawandel, Biodiversität, soziale Gerechtigkeit und Wirtschaft zusammen denken

Einigkeit bestand darin, dass es langfristig nicht hilft die genannten Krisen singulär anzugehen. Die Herausforderungen des Klimawandels, der Schutz der biologischen Vielfalt als auch soziale Gerechtigkeit werden gemeinsam und ganzheitlich gelöst. Ungeachtet der großen Komplexität dieser Themen war es Konsens unter den Anwesenden, dass Trade-offs transparent analysiert werden müssen und dass in einem lernenden System Entscheidungen immer wieder neu zu beurteilen seien. Das ist der Weg.

 

Der Weg zu „Nature Positive“ fängt an

Prägend war der Begriff „Nature Positive“, insbesondere von Seiten der Wirtschaftsvertreterinnen. André Hofmann, Chairman der Roche Holding, stellt unmissverständlich klar, dass wirtschaftliches Handeln keine Zukunft haben werde und somit auch nicht das jetzige Wirtschaftssystem, wenn wirtschaftliche Aktivitäten nicht einen positiven Beitrag zur Umwelt leisten würden. Es werde nicht ausreichen die Auswirkungen auf die biologische Vielfalt und das Klima lediglich zu reduzieren, ansonsten säge die Menschheit den Ast ab, auf dem sie sitze. Dieser Herausforderung müsse man sich stellen und müsse aktiv werden.

 

 

 

 

 

 

Bruttosozialprodukt, Armutsindex und Biodiversitätsindex

Um sich dem Ziel „Nature Positive“ zu nähern, wurde während des Gipfels von Seiten von 330 Unternehmen und Finanzinstitutionen ein Statement unter dem Titel „make it mandatory“ veröffentlicht, welches den Denkprozess anregen soll, wie der Begriff und das dahinterliegende Verständnis zu begreifen ist. Es gelte als „globales Ziel, den Naturverlust bis 2030 zu stoppen und umzukehren, mit der Aussicht auf eine vollständige Wiederherstellung bis 2050″.  Als wesentlicher Bestandteil zur Erreichung dieses Ziels wurde lebhaft diskutiert, wie man es messbar macht. Neben lokalen Ansätzen wurde ein weltweiter „Biodiversitätsindex“ ins Spiel gebracht, ähnlich dem „Armutsindex“ oder dem „Bruttosozialprodukt“, der trotz zu erwartender Ungenauigkeiten letztlich in seiner Ausprägung für Wirtschaft und Politik hilfreich sein könnte, um regulatorische Maßnahmen zu bestimmen, die Wirtschafts- und Finanzakteuren einen Rahmen gäben und deutlich mehr zielgerichtete Maßnahmen für mehr Biodiversität unterstützen würde.

 

Über die Hälfte des weltweiten BIP hängt von der Natur ab

Die Worte des Kommissars für Umwelt, Ozeane und Fischerei, Virginijus Sinkevičius, wurden auf dem Gipfel einvernehmlich geteilt und zeichneten die Grundlage der Erwartungen an die folgende Weltbiodiversitätskonferenz in Montreal:

„Der Verlust der biologischen Vielfalt ist schlecht für die Wirtschaft. Wir sind auf natürliche Ressourcen angewiesen, die wir in der Wirtschaft nutzen, und mehr als die Hälfte des weltweiten BIP hängt von der Natur und ihren Leistungen ab. Der Raubbau an der Natur bedeutet daher den Bankrott der Wirtschaft. Wir brauchen die Natur, um die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern und zu verringern, unser Wassersystem im Gleichgewicht zu halten, unsere Felder zu bestäuben und unsere körperliche und geistige Gesundheit zu schützen. Heute haben die europäischen Unternehmen im Vorfeld der COP15 ein klares Bekenntnis abgegeben, dass sie eine wesentliche Rolle dabei spielen können, die Natur wieder in unser Leben und unsere Wirtschaft zu bringen.“

 

EBNS 2022 Eröffnung Bühne Nature Positve

Ein neues Normal kreieren

Die Menschheit steht an einem Scheidepunkt: die immer größere Einigkeit aller Stakeholder ist eine Chance, unser Wirtschaftssystem neu zu justieren, im Einklang mit der Natur zu sein und dabei wollen wir beim Projekt Unternehmen Biologische Vielfalt alle Wirtschaftsakteure tatkräftig unterstützen.

UBi-Partner in Brüssel

Der Global Nature Fund, Stefan Hörmann, und die Bodenseestiftung, Marion Hammerl, sowie die ′Biodiversity in Good Company′ Initiative, Felix Domke, und das CSCP , Cristina Fedato und Alexander Mannweiler, waren im Auftrag des Projektes Unternehmen Biologische Vielfalt in Brüssel. Sie finden auf der Seite der Europäischen Union weitere Informationen zum EBNS und können auch unseren Artikel zur COP15 lesen.

Initiativen für Firmen und Verbände

 

German Business for Biodiversity:

Selbstverpflichtungen aus der deutschen Wirtschaft. Die Biodiversity in Good Company Initiative ist eine deutsche branchenübergreifende Initiative. Ihr gehören kleine, mittlere und große Unternehmen an. Sie haben ein Mission Statement und ein Leadership Commitment unterzeichnet und sich so dazu verpflichtet, den Schutz der Biodiversität in ihre Nachhaltigkeitsstrategie und das betriebliche Management zu integrieren.

 

European Business and Biodiversity Campaign (EBBC)

Die European Business and Biodiversity Campaign (EBBC) unterstützt Unternehmen dabei, Biodiversität in ihr strategisches Management zu integrieren. Die Kampagne bietet Nachhaltigkeitsbeauftragten und Entscheidungsträgern attraktive Möglichkeiten, sich über Methoden und Instrumente zu informieren, um Auswirkungen von Unternehmensaktivitäten auf die biologische Vielfalt zu bewerten.

 

Capitals Coalition:

Internationale Organisation mit Sitz in London. Die Organisation setzt sich zusammen aus Vertreterinnen aus Wirtschaft, Finanzen, Regierung, Wissenschaft, Rechnungslegung und Normen, Zivilgesellschaft und Multi-Stakeholder-Gruppen. 400 Organisationen und Firmen wie Roche, Global Reporting, EU, Umweltbundesamt und World Business Council for sustainable Development (WBCSD) sind Mitglied dieser Organisation.

 

Business for Nature

Business for Nature ist eine globale Koalition, die Wirtschafts- und Naturschutzorganisationen sowie zukunftsorientierte Unternehmen zusammenbringt. Diese arbeitet mit internationalen und nationalen Partnern und Unternehmen aus allen Sektoren, Größen und Gegenden zusammen. Sie ermutigen Unternehmen, sich zu verpflichten und zu handeln, um den Naturverlust umzukehren, und setzen sich für eine ehrgeizigere Politik ein.

 

One Planet Business for Biodiversity

One Planet Business for Biodiversity (OP2B) ist ein internationales, sektorübergreifendes, handlungsorientiertes Wirtschaftsbündnis für biologische Vielfalt mit besonderem Schwerpunkt auf der Landwirtschaft. OP2B ist ein Projekt vom WBCSD, das zum Ziel hat, fast 200 zukunftsorientierte globale Unternehmen zu versammeln, die sich für die Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsagenda einsetzen. Nachhaltiges Wirtschaften ist das Herzstück der nachhaltigen Entwicklung.

 

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